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NOLEX – der schwebende Tisch.

6. September 2019

Wie wollen wir arbeiten? Coworking Space, Homeoffice oder mobil? Das Team von
Floating Office hat erkannt, dass wir im Leben flexibel sein wollen, und einen eigenen Trend erschaffen: den schwebenden Schreibtisch. Was der alles kann? Er ist per App stufenlos verstellbar und innerhalb von Sekunden bis an die Decke eingefahren.

Unter Seilspannung: In jeder Position stabil.

NOLEX lässt sich individuell einstellen. Per User-Interface am Tisch oder per App am Smartphone lassen sich Lieblingshöhen abspeichern.

Beweglich wie eine Schaukel ist NOLEX, so der Name des Tisches, übrigens nicht. Er ist genauso stabil wie ein herkömmlicher höhenverstellbarer Tisch. „Jeder, der an NOLEX gewackelt hat, hatte bisher diesen Aha-Effekt. Da schaukelt nichts!“, erklärt Florian von Heißen, einer der Gründer von Floating Office. Das liegt daran, dass die Seile in jeder Höhe individuell verspannt werden. Errechnet wird die Seilspannung aus den Sensorwerten der Motoren. Das softwaregetriebene System haben die drei Gründer Florian von Heißen (27), Philipp Overath (28) und Maciej Walasek (28) zum Patent angemeldet.

„Er ist genauso stabil wie ein herkömmlicher höhenverstellbarer Tisch. Da schaukelt nichts!“

Gründer Florian von Heißen

Indem NOLEX unter die Decke fährt und bei Bedarf als Deckenleuchte fungiert, entsteht innerhalb weniger Sekunden wertvoller Freiraum.

Die Bürofläche der Zukunft ist flexibel.

Doch wozu ein Tisch, der unter die Decke fahren kann? Die Möglichkeit, im Büro vielfältige Arbeitssituationen abbilden zu können, wird in Zukunft immer wichtiger, so die Gründer. „Der eine arbeitet gerne am Einzelarbeitsplatz, der nächste setzt sich in den Sitzsack, weil er dort seine Präsentation schneller erledigen kann. Außerdem müssen Unternehmen relativ flexibel auf Situationen reagieren können“, verdeutlicht von Heißen. „Wenn ein Meeting ansteht, braucht man einen Konferenzraum – hat man ein arbeitsintensives Projekt vor der Brust, fehlen häufig zusätzliche Arbeitsplätze.“ Kurzum: „Die Bürofläche der Zukunft muss ohne größere Umbaumaßnahmen möglichst vielseitig nutzbar sein.“

„Die Möglichkeit, im Büro vielfältige Arbeitssituationen abbilden zu können, wird in Zukunft immer wichtiger.“

Gründer Florian von Heißen

Aus einem Uniprojekt entstanden.

Ende 2019 wird der schwebende Tisch in den Handel gehen. Dabei war dieser zu Anfang nicht dafür geplant. Entstanden ist NOLEX aus einem Uniprojekt. Im Wintersemester 2016 wurde ein Kurs zwischen der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Darmstadt ausgeschrieben, in dem das Thema universelles Design behandelt wurde. „In unserer Gruppe aus angehenden Mechatronikern und Industrie-Designern ging es um das Thema Büro. Wir bekamen ein kleines Budget, mit dem wir einen Prototyp frei entwickeln konnten, und schauten uns an, wie das heutige Arbeiten und das der Zukunft aussieht“, schildert von Heißen. Nach Abschluss der Projektarbeit hatten die Studenten das Bedürfnis, ihre Idee als Start-up weiterzuverfolgen. Nicht nur, weil die jungen Ingenieure ohnehin kurz vor ihrem Abschluss standen, sondern weil auch einige Firmen ihr Interesse bekundeten. „Wir wussten allerdings nicht, wie wir das Ganze unternehmerisch angehen sollen.“

Florian von Heißen, Philipp Overath und Maciej Walasek (von links) haben während ihres Studiums eine Idee entwickelt, die so einfach wie genial ist: einen Schreibtisch, der unter der Decke schwebt. Bis Ende 2019 soll NOLEX in den Handel kommen.

Die ersten Schritte in der Gründerszene.

Aus diesem Grund wandten sie sich an das Gründungszentrum „Highest“ der Technischen Universität Darmstadt. Das Mentoren- und Gründernetzwerk vermittelte ihnen, was es heißt, ein Produkt marktreif zu entwickeln, und beantwortete Fragen wie: Wie stelle ich einen Business- und Finanzplan auf? Wann und wie kontaktiere ich Kunden? Um in die Gründerszene einzutauchen, machten die Studenten bei verschiedenen Wettbewerben und Workshops mit und nahmen jede Pitch-Möglichkeit wahr. Zum größten Meilenstein gehörte Anfang des Jahres der Messeauftritt auf der internationalen Möbelmesse in Köln. „Um schnell in den Markt zu gehen, ist es wichtig, sich auf eine Kernfunktion zu konzentrieren. Feedback hierzu bekamen wir vom Fachpublikum in Köln“, schildert Florian von Heißen. Dieses zeigte, dass die Höhenverstellbarkeit das wesentliche Detail von NOLEX ist und Features wie eine LED-Beleuchtung unterm Tisch erst nach dem Markteintritt umgesetzt werden.

Die Reise ist noch lange nicht zu Ende.

Im Juli ist NOLEX in die Pilotphase gestartet und an erste ausgewählte Kunden gegangen. „Das ist ein gutes Gefühl, weil wir wissen, wie viel Arbeit und Zeit wir investiert haben“, so von Heißen. „Gegen Ende des Uniprojektes sind wir von 20 Stunden Mehrarbeit für jeden neben dem Studium ausgegangen. Nach dem ersten Pitch an der Technischen Universität kam das Ganze ins Rollen und innerhalb eines halben Jahres arbeiteten wir in Richtung Vollzeit an dem Projekt. Heute machen wir nichts anderes mehr.“ Und die Reise ist noch lange nicht zu Ende: Ziel als Hersteller ist es für Floating Office, die Funktion der vertikalen Raumausnutzung nicht nur auf den Schreibtisch zu übertragen, sondern auch auf andere Möbel und damit unter anderem Mikro-Apartments in Großstädten größtmögliche Flexibilität und Freiraum zu verschaffen.

Floating Office NOLEX

at IMM Cologne 2019

Erfolgreich durchstarten: Gründertipps von Floating Office.

Tipp 1: Fokussiert bleiben.

Am Anfang warten auf Gründer gefühlt eine Million Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Wenn man alles auf einmal machen will, wird man sich schnell verzetteln. Die Kunst im Gründungsprozess ist es, zu lernen, was wirklich essenziell ist, und dann alle Ressourcen darauf zu konzentrieren.

Tipp 2: Was will der Kunde?

Wie wäre es noch mit diesem Gehäuse, diesem Zubehör oder Detail? Als Entwickler neigt man dazu, produktfixiert zu sein. Doch welche Features braucht der Kunde wirklich und was der Markt? Der Kunde sollte von Anfang an mit einbezogen werden. Am besten versucht man, so schnell wie möglich zu verkaufen.

Tipp 3: Von Vorgängern lernen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Fehler zu machen, aber man muss ja nicht genau die wiederholen, die andere schon mal gemacht haben. Deshalb ist es wichtig, sich mit anderen Gründern auszutauschen, die den gleichen Weg bereits gegangen sind. Sie können aus eigener Erfahrung sagen, was es zu beachten gilt.

Fotos: © Floating Office